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Was ist MATINKO ?
Matinko ist eine Abkürzung für Mathematik
individualisiert und zugleich
kompetenzorientiert. Der Name steht für ein
Aktionsforschungsprojekt, gleichzeitig aber auch für einen Lehrgang und
Unterrichtsmaterialien.
Das Aktionsforschungsprojekt
Im Rahmen des Projekts Matinko gehen wir seit 2005 der theoretischen
Frage nach, ob sich das Drei-Säulen-Modell, wie es sich als
Ergebnis des Vorgängerprojekts "Basiskurs Mathematik" ergeben hatte, zur
Beschreibung des Kompetenzaufbaus in Klasse 1 und 2 bewährt.
Praktisches Ziel des Projekts ist, den Anteil schwacher Rechner zu reduzieren.
In vier Schuljahren ist der Lehrgang Matinko zur Produktreife gereift.
Insgesamt 100 Lehrkräfte und 1500 Kinder haben sich an dem Projekt als Erprober bzw. als Kontrollgruppe beteiligt. Die Praxiserfahrungen wurden
regelmäßig ausgetauscht, alte Ideen wurden verworfen, neue Anregungen
aufgenommen bis alles eine stabile Form angenommen hat, die im
Unterricht gut "läuft". Jetzt liegt ein produktreifer Lehrgang vor, der
an vielen Grund- und Förderschulen regelmäßig eingesetzt wird. Jetzt
wird der Lehrgang weiter ausgebaut und langfristige Fördereffekte werden
untersucht.
Der Lehrgang
Weil wir auf kindertümelnde (und ablenkende) Gestaltungselemente komplett verzichten,
eignet sich der Lehrgang auch für Jugendliche oder Erwachsene, um
Lernlücken abzubauen, die auf Inhalten der Klasse 1 und 2 beruhen.
Solche grundlegenden Probleme beim Aufbau mathematischer
Verständnisgrundlagen sind das Wesen der Rechenschwäche.
Das Drei-Säulen-Modell beschreibt den Aufbau der Verständnisgrundlagen als einen
Weg von der ordinalen zur kardinalen zur relationalen Zahlverwendung.
Gegenüber "vermischten" Übungen hat dieses systematische Vorgehen den
Vorteil, dass das Ziel der jeweiligen Übung deutlicher fokussiert ist
und dem Kind transparent gemacht werden kann, worum es eigentlich geht. So wird vermieden, dass
Kinder, die noch gar nicht zählen können (ordinale Zahlverwendung)
Übungen bekommen, die der Überwindung des Zählens durch Mengenstrukturen
wie der Kraft der 5 und der Kraft der 10 dienen. Kinder, die die Zahl
noch nicht als Repräsentant einer Menge verwenden können, erhalten z.B.
keine Übungen, bei denen Unterschiede (zwischen Mengen) oder andere
Zahlbeziehungen (relationale Zahlverwendung) bearbeitet werden.
Die Inhalte der zehn Matinko-Arbeitshefte bauen auf dieser Struktur des
Drei-Säulen-Modells auf.
Arbeitsheft 1: Zifferrn schreiben, Muster bilden, kleine Muster
identifizieren
Arbeitsheft 2: zählen / ordinale Zahlverwendung bis 20
Arbeitsheft 3: Zahlen als Menge / kardinale Zahlverwendung bis 20
Arbeitsheft 4: Zahlbeziehungen / relationale Zahlverwendung bis 20
Arbeitsheft 5: zählen / ordinale Zahlverwendung bis 100
Arbeitsheft 6: Zahlen als Menge / kardinale Zahlverwendung bis 100
Arbeitsheft 7: Zahlbeziehungen / relationale Zahlverwendung bis 100
Arbeitsheft 8,9 und 10: Multiplikation und Division
Wenn ein Heft durchgearbeitet ist, erhält das Kind eine
Lernzielkontrolle. Besteht ein Kind diese Überprüfung ohne gravierende
Fehler, bekommt es das nächste Heft, andernfalls muss noch einmal
nachgearbeitet werden. So ist gewährleistet, dass alle Kinder die
Grundlagen der Mathematik aufbauen.
Natürlich dauert das unterschiedlich lang. Vor allem
für schnellere Rechner stehen Karteien zur Verfügung, die in
aufsteigendem Schwierigkeitsgrad von einfachen, die Grundlagen
absichernden Aufgaben bis zu sehr anspruchsvollen Aufgaben reichen. Die
Karten sind laminiert und können nach der Beschriftung wieder abgewischt werden.
Die Spielebox enthält die fünf Spiele "Die verflixte 17", "Strandspiel",
"Baupläne", "Von zwei Seiten gesehen" und "Zimmer" mit allem benötigtem
Material.
Andere Kinder brauchen mit der Arbeit an den Arbeitsheften etwas länger. Man kann dann z.B. die
Automatisierung der Einmaleins-Reihen (Arbeitshefte 9 und 10) auf Klasse
3 verschieben und im Förderunterricht zusätzliche Hilfen geben. Es hat
aber keinen Zweck, aufbauende Inhalte "durchzunehmen", wenn Grundlagen
noch fehlen.
Schwache Rechner profitieren von dieser systematischen Vorgehensweise mehr, als wenn
sie sich mit bruchstückhaftem Wissen und schematischen Notbehelfen durch
die Mathematik der folgenden Schuljahre quälen. Beispielsweise nützt
eine unverstandene Strategie des ziffernweisen Rechnens (erst die linke
Ziffer, dann die rechte addieren) möglicherweise noch bei der nächsten
Klassenarbeit. Bei der Anwendung "im Leben" kommt es auf die flexible
Anwendung der Rechenstrategien an und das funktioniert nur, wenn die
Grundlagen verstanden sind.
Es ist nicht sinnvoll, den gesamten Mathematikunterricht zu
individualisieren und Kinder ausschließlich an Arbeitsheften arbeiten zu
lassen. Kooperatives Lernen, kommunikative Fähigkeiten wie das
Argumentieren, der Austausch über Entdeckungen und eigene Erfindungen,
aber auch die Zieltransparenz kämen zu kurz. Deshalb beinhalten die
Matinko-Arbeitshefte nur die Inhalte, die sich auch sinnvoll
individualisieren lassen. Für die übrigen Lerninhalte stehen im
Lehrerband Lektionen für den gemeinsamen Klassenunterricht bereit. Wir
gehen davon aus, dass drei der wöchentlich fünf Mathematikstunden an den
Arbeitsheften gearbeitet wird und zwei Stunden als gemeinsamer
Klassenunterricht gestaltet werden.
Für alle fünf Wochenstunden ist eine Phase des Zehnminutenrechnens
vorgesehen. Für diese Phase benutzen wir laminierte Arbeitskarten, die
mit Boardmarker (auf Alkoholbasis) beschrieben werden und nach der Übung
trocken wieder abgewischt
werden können. Durch solche gemeinsamen Vorübungen kann das Ziel der
verschiedenen Übungen deutlich gemacht werden, die die Kinder in
entsprechender Form auch in den Arbeitsheften finden. Das erspart viele
Rückfragen, wie denn diese oder jene Übung "geht".
Als Anschauungsmaterial setzen wir Systemblöcke mit Fünferstab ein.
Würde auf den Fünferstab verzichtet, wären zur Darstellung der Zahl 7,
sieben Legehandlungen einzelner Elemente nötig. Wir würden Kinder zum
Zählen verführen. Durch den Fünferstab lernt das Kind, dass das Wesen
der Zahl 7 die Struktur 5+2 ist. Außerdem geht mit dem Fünferstab alles
schneller und bequemer. Ein weiterer Vorteil der Systemblöcke liegt in
der flexiblen Anordnung der dargestellten Zehner und Einer. So lassen
sich, anders als beim Rechenrahmen, alle Aufgaben (z.B. auch 23 + 14)
bequem darstellen. Dass man die Zehner in die Hand nehmen, zeigen und
benennen kann, ist für das Verständnis des Stellenwertsystems sehr
vorteilhaft.
Das Matinko-Sortiment besteht aus 8 Zehnerstangen, 4 Fünferstangen und
20 Einerwürfeln. In der Regel genügt eine Dose für zwei Kinder. In
vielen Klassen hat es sich bewährt, zwei Boardmarker und zwei kleine
Lappen mit in die Dose zu packen. So steht für die täglichen Übungen
alles bereit.
Durch die beiden Matinko-Tests für Klasse 1 und die Basiskurs-Tests für
Klasse 2 und 3 (letztere sind im Dieck-Verlag erschienen) evaluieren wir
regelmäßig, wie sich die Matinko-Klassen im Vergleich zu Kontrollgruppen entwickeln. Unsere bisherigen Ergebnisse sind sehr ermutigend.
Wie geht es weiter?
Zur Zeit werden die letzten Matinko-Materialien erprobt, die noch nötig
waren, um alle Inhalte des
Lehrplans für Klasse 1 und 2 abdecken zu können. Für Matinko-Lehrerinnen
und Lehrer besteht 4 mal pro Halbjahr Gelegenheit, sich zu einem
Austausch zu treffen, Resultate zu diskutieren und Entwürfe neuer
Unterrichtseinheiten kennen zu lernen. So wächst Matinko fortlaufend im
Rahmen der gemeinsamen Erforschung.
Matinko-Faltblatt

Interessiert?
Wenn Sie ab und zu per Email über die Matinko-Entwicklung informiert
werden möchten, schreiben Sie eine kurze Nachricht an
CPJansen@t-online.de
Mit dem Bestellformular können Sie sich selber ein Probepaket der
Matinko-Materialien zusammenstellen und schicken lassen.

Wenn Sie Matinko in einer Fortbildung kennen lernen möchten, finden Sie
hier die entsprechenden Kontakte:

Wie Matinko die Vorgaben der Bildungsstandards umsetzt, können Sie der
Synopse
zum nordrhein-westfälischen Lehrplan entnehmen.

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