Das Projekt Basiskurs Mathematik
Das Aktionsforschungsprojekt BASISKURS
MATHEMATIK wurde im Jahr 2001 initiiert, um ein aufeinander abgestimmtes
Diagnose- und Förderprogramm zur Prävention und Überwindung der
Rechenschwäche zu entwickeln.
In einer ersten Phase der
Untersuchung wurden vorhandene Materialien zusammengestellt,
weiterentwickelt und erprobt. Nach und nach beteiligten sich dann immer
mehr Schulen. Entwicklung und Erprobung gingen dabei Hand in
Hand. Schließlich wurde das Förderprogramm von 37 Lehrkräften erprobt
und insgesamt wurden 2157 Kinder getestet. Das Untersuchungsdesign
erwies sich als außergewöhnlich effektiv. Die Verbindung praktischer und
theoretischer Fragestellungen führte zu einer äußerst repräsentativen
Untersuchung.
Gegenüber der Kontrollgruppe zeigten sich signifikant höhere
Lernzuwächse. Der BASISKURS MATHEMATIK gehört damit zu den wenigen
Programmen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich überprüft wurde.
Um etwas über das Wesen der Rechenschwäche zu erfahren, untersuchten wir
Unterschiede zwischen den als förderbedürftig ausgewählten Kindern und
den übrigen Kindern. Aus diesen Analysen erfuhren wir viel über die
Strukturen und Zusammenhänge des Aufbaus mathematischer
Verständnisgrundlagen. Das aus diesen Ergebnissen entwickelte
Drei-Säulen-Modell dient nun als Grundlage für das Folgeprojekt
MATINKO, bei dem für einen Teil des Mathematikunterrichts ein
Individualisierungsprogramm entwickelt wird.
Das Förderprogramm
Der BASISKURS MATHEMATIK ist ein Lehrgang zur Vermeidung und
Überwindung der Rechenschwäche. Durch einen Prätest wird der Lernstand
der Klasse zu Beginn des Schuljahres erfasst. Aufgrund der
Testergebnisse, aber unter Berücksichtigung der Gesamtsituation werden
ein bis vier Kinder für die Förderung ausgewählt. Diese erhalten eine
Kleingruppenförderung über mindestens ein Schulhalbjahr im Umfang von 2
Unterrichtsstunden pro Woche.
Der Förderunterricht erfolgt in der Regel parallel zu anderem
Unterricht, damit die Arbeitsbelastung der Kinder nicht über das im
Stundenplan vorgesehene Maß hinausgeht.
Die Test- und Übungsmaterialien sind für den Einsatz in
Kleinfördergruppen der Klassen 2 und 3 konzipiert, aber überall da
einsetzbar, wo es um den Aufbau mathematischer Verständnisgrundlagen
geht. Der Lehrgang ermöglicht ein sehr spezifisches Eingehen auf die
individuelle Lernausgangslage und den Einsatz auch für ältere Kinder,
Jugendliche oder rechenschwache Erwachsene. Er kann in der Lerntherapie,
in Förderschulen oder als Grundlage einer qualifizierten Nachhilfe
eingesetzt werden. Auch die Verwendung als Differenzierungsmaterial im
Klassenunterricht bietet sich an.
Der Lehrgang dient auch der Fortbildung der Lehrkräfte. Sie sollen die
Materialien erproben, Erfahrungen mit individualisierter
Unterrichtsorganisation sammeln und durch die Begegnung mit den
tatsächlichen Strategien der leistungsschwachen Kinder auf die
Stolpersteine mathematischen Lernens aufmerksam werden. So wird ein
positiver Effekt für die Qualitätsverbesserung des regulären
Mathematikunterrichts im Klassenverband erzielt. Die Beschreibung eines
Leistungsprofils der jeweiligen Klasse unterstützt diesen Effekt.
Übungen zum aktuellen Unterrichtsstoff sind ausdrücklich nicht Inhalt
des BASISKURSES. Solange ein Kind Verständnisprobleme mit den Grundlagen
der Mathematik hat, machen solche Nachhilfeübungen keinen Sinn. Das Kind
könnte die Aufgaben allenfalls schematisch lösen, wodurch Fehlkonzepte
vermutlich eher verstärkt als beseitigt würden. Einzig sinnvoll ist, an
dem Punkt anzusetzen, an dem die grundlegenden
Verständnisschwierigkeiten jedes einzelnen Kindes beginnen.
Der BASISKURS konzentriert sich auf eine mathematiknahe Förderung.
Tiefgreifende Wahrnehmungs- oder Koordinationsstörungen oder Probleme
der Aufmerksamkeitssteuerung sollten zusätzlich parallel in einem
eigenen Förderprogramm behandelt werden.
Zu jeder Einheit liegen Arbeitskarten in ansteigendem Schwierigkeitsgrad
vor. Diese können mit Boardmarker beschrieben und trocken wieder
gereinigt werden. Dadurch fallen keinerlei Kopierkosten an und die
Unterrichtsvorbereitung wird erleichtert.
Aufgedruckte Lösungen werden mit einem Abdeckwinkel verdeckt und nach
und nach freigegeben.
Die ersten Karten einer Kartei dienen in der Regel dem Training. Hier
sollen Kinder eine bestimmte Strategie einüben und diese auf Tempo üben,
bis ihnen das Verfahren geläufig ist. Erst danach bekommen sie
Arbeitskarten, bei denen Aufgaben auch schriftlich gelöst werden müssen.
Kommt ein Kind hierbei nicht weiter oder ist die Arbeit mühsam, wird das
Kind noch einmal an das Training der Strategie zurückverwiesen.
Es ist nicht sinnvoll, Kindern zu früh schriftlich zu lösende Aufgaben
zu geben, weil sie dann möglicherweise die gewohnten Strategien (wie das
zählende Rechnen) einüben. Das würde mehr schaden als nutzen. Aus diesem
Grund werden die Karten von der Lehrkraft zugeteilt und stehen nicht wie
bei der Freiarbeit dem Kind zur Auswahl zur Verfügung.
Als
Anschauungsmaterial werden Systemblöcke mit Fünferstab verwendet. Dadurch können Zahlen sehr flexibel und wenigen Handgriffen dargestellt
werden. Die strukturierte Zahldarstellung erleichtert die Ablösung vom
zählenden Rechnen, die Tatsache, dass sich Einer, Zehner usw. in die
Hand nehmen lassen, erleichtert die Aneignung dieser Begriffe. Weil das
Material in höhere Zahlräume fortsetzbar ist, werden Wechsel in der
Darstellungsart vermieden. Zwanziger- und Hundertertafel sind so
gestaltet, dass sie sich mit den Systemblöcken auslegen lassen. Eine
eigens gestaltete Rechentafel unterstützt sehr gezielt den Aufbau des
Teil-Ganzes-Schemas, so dass sich das operative Verständnis des Kindes
optimal entwickeln kann.
Basiskurs Diagnose und Evaluation
Was nutzt die Einschätzung
eines diagnostischen Tests, dass ein Kind bestimmte Defizite aufweist,
wenn es kein Programm gibt, wie sich die gewünschten Kompetenzen
erreichen lassen? Deshalb sind Diagnose und Förderung im BASISKURS
MATHEMATIK aufeinander bezogen. Durch einen Prätest wird der Lernstand
der Klasse zu Beginn des Schuljahres erfasst. Aufgrund der
Testergebnisse, aber unter Berücksichtigung der Gesamtsituation werden
ein bis vier Kinder für die Förderung ausgewählt. Diese erhalten eine
Kleingruppenförderung über mindestens ein Schulhalbjahr im Umfang von 2
Unterrichtsstunden pro Woche. Nach einem halben Schuljahr wird durch
einen Posttest evaluiert, wie sich das mathematische Verständnis der
Klasse und der geförderten Kinder verändert hat.
Zugleich werden die Testergebnisse zur Evaluation des
Mathematikunterrichts der Klasse genutzt; denn die Förderung in
Kleingruppen soll nicht als Reparaturdienst für einen sonst unverändert
gleichschrittigen Klassenunterricht verstanden werden. Ganz im Gegenteil
ist der Lehrgang so angelegt, dass die Lehrkraft die methodischen
Erfahrungen aus der Fördergruppe in den Klassenunterricht übernimmt.
Wohl jeder Fehler, der in der Mathematik gemacht werden kann, wird in
irgendeinem Ratgeber als Symptom der Rechenschwäche genannt. Durch einen
Vergleich der Förderkinder mit den übrigen Kindern konnten
Unterscheidungsmerkmale empirisch untersucht werden. Als Ergebnis ließen
sich Merkmale der als förderdürftig ausgewählten Kinder beschreiben und
systematisieren. So konnte das Förderprogramm gezielt auf die Elemente
abgestimmt werden, auf die es auch ankommt.
Die Einschätzung von Kindern auf der Grundlage von „Symptomen“ steht
zudem in der Gefahr der Fehleinschätzung, wenn nicht bekannt ist,
welcher Anteil der Gleichaltrigen die jeweilige Aufgabe zu lösen
imstande ist. Durch die breite Erprobung mit über 2100 Probanden stehen
nun solide Vergleichswerte zur Verfügung.
Basiskurs Produkte
Alle BASISKURS Materialien sind im Dieck-Verlag
erschienen.
Der Ordner Übungsteil enthält vor allem die
laminierten Förderkarten.
Der Ordner Diagnose und Evaluation enthält die 4
Testvarianten Prätest 2, Posttest 2, Prätest 3 und Posttest 3.
Das Buch "Basiskurs Mathematik - Aktionsforschung zur
Prävention und Überwindung der Rechenschwäche" enthält eine Beschreibung
des Aktionsforschungsprojekts, genaue Analysen der erhobenen Daten und
das Drei-Säulen-Modell, mit dem Kompetenzstufen beim Aufbau
mathematischer Verständnisgrundlagen beschrieben werden.